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So mache ich Rinder führig!
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amorebio - Naturkost
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Autor Thema: So mache ich Rinder führig!  (Gelesen 2944 mal)
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Zebuhof Esselmann
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« am: Januar 06, 2006, 21:12:39 »


Erfahrungen des Zebu- und Highlandzüchters Jürgen Fuchs aus Frankfurt

Ein gut führiges Tier hat viele Vorteile: Es präsentiert sich ruhig und gelöst bei Körungen, Schauen oder bei der Vorstellung zum Verkauf.

Es macht auch bei Blutabnahmen, bei medizinischen Behandlungen, bei der Klauenpflege, beim Verladen und beim Umtreiben, bis hin zur Schlachtung wenig Probleme.

Führig ist ein Tier, wenn es sich von seinem Betreuer vertrauensvoll in der gewünschten Gangart überall hinführen läßt, ruhig stehen bleibt und sich auch ein paar Schritte rückwärts richten läßt.

Vertrauen zu erlangen ist das Ziel, welches wir nur mit viel Ruhe, Geduld und Einfühlungsvermögen erreichen.

Tiere, die im Schnellverfahren, zum Beispiel am Nasenring hinter dem Traktor oder dem Treibwagen führig gemacht wurden, werden nicht viel Freude bereiten, oft werden sie eines Tages zur Gefahr.

Am einfachsten ist es, wenn wir ausgewählte Tiere schon als Kalb bei der Mutter bei Fuß mitgehen lassen.

Dabei bekommt das Kalb, wenn es noch sehr klein ist, ein breites Halsband, größere Kälber ein Fohlenhalfter um. Das Kalb wird bei der Mutter, die natürlich schon führig ist, mit einem dicken Seil oder einem speziellen Bauchgurt mit einem schnell zu lösenden Slipknoten befestigt.

Wenn das Kalb am Anfang nicht mitläuft, muss man von hinten etwas nachhelfen, damit es nicht von der Mutter mitgeschleift wird und dann schnell den Spaß an der Sache verliert.

Wenn Tiere aber schon älter, wenig Menschenkontakt hatten und vielleicht schon etwas verwildert sind, brauchen wir schon etwas Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen, um ihr Vertrauen zu erlangen.

Ruhe bewahren beim Einfangen

Am Anfang steht das Einfangen, welches möglichst ruhig und ohne Jagerei geschehen muss. Fehlgeschlagene Einfangversuche schnell wieder abbrechen, am nächsten Tag gehts bestimmt. Sehr vorteilhaft ist eine feste oder mobile Fanganlage, in die wir die Tiere reinlocken oder notfalls reintreiben. Beim Treiben ist das Elektroband eine große Hilfe.

Ist keine Fanganlage oder kein Treibwagen vorhanden, versuchen wir es vielleicht mit einer Lassoschlinge um einen Futtereimer gelegt oder mit geduldigen Lassowurfversuchen, aber bitte immer mit Handschuhen. Der nächste Baum sollte nicht zu weit weg sein, um das Tier befestigen zu können. Bevor wir eine Rutschpartie machen, lassen wird den Freund mit dem Lasso um den Hals lieber ein paar Runden drehen, stecken eventuell ein zweites Lasso an und suchen nach einer Fixiermöglichkeit. Schon ein größeres Kalb ist, wenn man einmal Erfahrungen gesammelt hat, nicht mehr zu halten.

Wenn alle Einfangversuche fehlgeschlagen sind, können wir einen Tag später einen Versuch mit einem Beruhigungsmittel (Vetranquil) in Reformhafer machen, um die Bewegungsfahigkeit unseres Freundes etwas einzuschränken. - Die letzte Rettung ist dann das Blasrohr oder das Narkosegewehr.

Im Gatter anbinden

Haben wir das Tier in einem Korral, Treibwagen oder Gatter, müssen wir es anbinden, um ein Halfter anlegen zu können. Sehr gut ist es, wenn wir jetzt ein zweites, ruhiges Tier im Gatter anbinden. Unser Lehrling wird sich meistens an das andere Tier andrücken und erleichtert uns das Anbinden mit einem Lasso um den Hals oder die Hörner, so man hat.

Bei fremden Tieren, die noch wenig Menschenkontakt hatten, müssen wir vorsichtig sein, wenn sie in die Enge getrieben sind und keine Fluchtmöglichkeit mehr haben.

Während Bullen ihre Angriffsbereitschaft meistens durch Scharren und Querstellen zeigen, können Kühe ohne jede Vorwarnung den Kopf senken und angreifen, aber auch die kleinsten Kälber können schon einfach umwerfend sein.

Für solche Fälle verwende ich eine Lassofangschlinge, an einer Bambusstange über zwei Einschlagrohrschellen (Abstand zirka ein Meter) gehängt. Durch eine Drehung wird sie ausgelöst und zugezogen. Jetzt wird das Tier kurz und absolut fest angebunden, um das Halfter anlegen zu können.

Wenn wir uns dem Tier mit beruhigenden Worten nähern, denken wir immer an den enormen Rundschlagradius der Hinterhufe, aber auch mit den Vorderfüßen kann man ordentlich eine verpaßt bekommen. Beim Anlegen des Halfters muss man auch das plötzliche Hochschlagen des Kopfes einkalkulieren.

Ich verwende zum Anlernen einen Kappethum (hessisch), das ist ein leichtes Halfterkettchen, das sich je nach dem, wie rum man es anlegt, über die Nase (Bremswirkung) oder unter der Kinnlade (Mitkommen) bei Zug zuzieht. Das Zuziehen des Kettchens ist dem Tier unangenehm.

Zug und Druck

Hier setzt der tierpsychologische Effekt an. Zug und Druck ist unangenehm - Nachgeben wird belohnt!

Praktisches Beispiel: Eine Kuh will partout nicht in den Hänger. Ich mache ihr etwas Zug mit ruckelnder Handbewegung und beim leichtesten Vorwärtsgehen gebe ich nach und das Tier belohnt sich selbst, da der Druck nachläßt. Ich lobe das Tier und ziehe wieder an. Ganz schnell begreift die Kuh und gibt wieder nach und so weiter.

Dabei darf es aber kein Zurück geben. In ganz hartnäckigen Fällen verwende ich ein zweites Lasso, welches durch einen Ring vorne im Hänger gezogen wird und immer nach jedem Schritt oder Schrittchen dicht geholt wird.

Es darf schon beim ersten Anbinden kein Losreißen möglich sein. Halfter, Stricke und Knoten müssen absolut fest sein. Für den Umgang mit Anbindestricken, Lasso und Leinen sollten wir einige Seemannsknoten beherrschen. Sie haben den Vorteil, daß sie halten und auch unter Zug sich öffnen lassen.

Beruhigend bürsten

Nachdem das Tier aufgehalftert ist, binden wir es etwas über Kopfhöhe an und lösen das Lasso. Jetzt muss sich unser Freund erstmal an das ungewohnte Halfter und an das Angebundensein gewöhnen. Wir sprechen mit ihm in beruhigendem Tonfall und beginnen am Hals mit einer Bürste oder einem Kamm von unten nach oben das Belecken eines Artgenossen nachzuahmen.

Ich habe schon oft beobachtet, wie das ranghöchste Tier in der Herde das rangniedrigste beleckt. Diesen Effekt nutzen wir, um das Vertrauen zu erlangen.

Wir arbeiten uns langsam nach hinten, gehen auch an Stellen, wo sich das Tier nicht selbst jucken kann. Wenn man von hinten mit der Bürste zwischen die Beine kommt, wird es bald vor Wollust sein Bein seitlich wegstrecken.

Es kann aber auch sein, dass das Tier tobt und versucht immer wieder sich loszureißen. Wir beruhigen es immer wieder, und es wird bald begreifen, dass der Kampf gegen Halfter und Strick erfolglos bleibt. Bei manchen Tieren kann eine Belohnung mit Apfelstückchen, Brötchen oder Pferdeleckerli gut sein, bei anderen bringt es gar nicht.

Wenn das Tier gelernt hat, angebunden ruhig stehen zu bleiben, hängen wir den Haken am Halfter mal aus, lassen es mal frei und binden es dann wieder an.

Je nach Lernfähigkeit und Gelassenheit kann unser Tier schon nach 20 Minuten ruhig stehen, es kann aber auch Tage dauern, bis wir die ersten Führversuche machen können.

Das Führen beginnt

Hierfür verwende ich ein zirka drei Meter langes, weiches und dickes Seil, an dem ich an einem Ende einen Bullsnap und am anderen Ende ein großes Auge (Schlaufe) angespleißt habe. Wenn es seine Lektion gut gelernt hat, wird es unsere Hand als den Anbindepunkt ansehen, von dem es kein Loskommen gibt.

Aber leider ist das nicht immer so leicht, wie wir es gerne hätten.

Falls das Rind losstürmen will, versuchen wir, seinen Kopf oben zu behalten und bringen es mit ruckartigem Zug auf eine Kreisbahn um uns herum, damit es sich beruhigt. Es kann aber auch stur bleiben, dann müssen wir wieder zuppeln und vielleicht von einem Helfer etwas Druck machen lassen. Sind wir alleine, kann man eine Lassoschlinge über die Hinterhand legen und damit vorwärts bringen. Und immer wieder loben und belohnen, wenn es nachgibt.

Kritische Momente

Das Schlimmste aber ist, das Tier läßt sich fallen und stellt sich tot. Bei Zeburindern ist das sehr oft der Fall! In dieser Schreckstarre ist das Tier völlig gefühllos und entzieht sich jeder Einwirkung.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sinnlos ist, das Tier mit roher Gewalt hochbringen zu wollen. Besser ist, es einfach liegen zu lassen - weggehen und sich mit den Herdengenossen entfernen. Es wird aufspringen und will mitlaufen. Wir loben es und machen einen neuen Führversuch. Es wird sich bestimmt wieder hinlegen, aber es wird auch wieder aufstehen, und wenn wir genug Zeit und Geduld haben, wird ihm das Hinlegen irgendwann zu dumm und es läßt sich führen.

Wenn wir das Tier, und das gilt für alle Rassen, nur schwer oder gar nicht halten können, binden wir es an ein ruhiges schon führiges Tier und versuchen es so.

Diese Methode führt fast immer schnell zum Erfolg. Jetzt müssen wir nur immer wieder mal üben: Anführen, Anhalten und ruhig stehen bleiben.

Rückwärts

Zum Rückwärtsrichten stellen wir uns vor das Tier, geben leichte Impulse am Halfter. Im Anfang können wir durch leichtes Antippen mit dem Schuh am Kronrand der Vorderfüße etwas nachhelfen.

Sicherheiten

Übrigens sollte man bei diesen Arbeiten immer Sicherheitsschuhe mit Schutzkappen tragen, denn blaue Zehen verderben die Stimmung. Auch habe ich immer ein leicht zu öffnendes Taschenmesser eingesteckt, damit wir im Ernstfall schnell eine Leine kappen können, wenn Mensch oder Tier sich darin verfangen haben.

Auch der Nasenring bei Bullen dient der Sicherheit. Wenn ein Bulle mal durchdreht, ist der Nasenring in Verbindung mit einer vorschriftsmäßigen Führstange sehr wichtig. Ich verwende den Nasenring aber nicht zum Anlernen. Wir dürfen einen Bullen auch nie am Nasenring anbinden, sondern immer am Halfter. Wenn sich ein Bulle einmal einen Ring ein- oder sogar ausgerissen hat, ist er für immer verdorben. Daher den Ring nur als Notbremse ansehen. Wenn für eine Schau aber die Bullen mit Stange vorgeführt werden sollen, müssen wir das zu Hause schon trainieren.

Erst wenn wir sicher sind, dass unsere Tiere wirklich führig sind, melden wir uns für die öffentliche Veranstaltung.


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Öffentlicher Auftritt

Noch einige Tipps für Tiervorstellungen und Rasseschauen:

Wenn irgendwie möglich, zeigen wir unserem Tier schon vorher den Vorführring und den Bodenbelag
Bei Veranstaltungen beobachten die Richter sehr aufmerksam das Hereinführen der Tiere. Schon hier gilt es den besten Eindruck zu machen.
In tadellosem Outfit führen wir unser bestens herausgebrachtes Tier gleich auf der richtigen Hand flott in den Ring. Ein freundlicher Gruß zu den Richtern kann nicht schaden.
Auf Anfrage wissen wir selbstverständlich Geburtsdatum, Abstammung, Trächtigkeitsmonat, Gewicht und tägliche Zunahme
Wir achten auf ausreichenden Abstand zu Vorder- und Hintermann. Läuft unser Tier zu schnell, führen wir es tief in die Ecken oder machen den Kreis etwas größer, läuft es zu langsam, kürzen wir ab.
Wir beobachten dabei auch die Richter, damit wir, wenn sie sich uns zuwenden, in einer guten Position sind. Der erste Eindruck ist immer der beste.
Führt zum Beispiel unsere Kuh ein hervorragendes Kalb, so werden wir dieses in den Vordergrund stellen, um die Mutter, die alles in ihr Kalb gesteckt hat, ins rechte Licht zu rücken. Ist das Kalb nicht so gut, kann uns nur die gutgenährte Mutter aufs Treppchen bringen.
Wenn die Richter das Tier im Stand beurteilen, achten wir darauf, dass es schön ruhig und geschlossen steht, den Blick geradeaus und Kopf hoch.
Fleischrinder-Journal
1/1999
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Der Zebuhof im Münsterland
Das Forum für Zwergzebuzüchter und - halter
« am: Januar 06, 2006, 21:12:39 »

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